Namensherkunft und Geschichtliches zur Münstermauer

Rheines historische Blütezeit war das 15. und 16. Jahrhundert. Die um 1520 erreichte Ausdehnung und Einwohnerzahl – unterbrochen nur durch die Notzeiten des Dreißigjährigen Krieges – blieb bis 1835 konstant (ca. 2.500 Einwohner).

Im Bereich der alten Stadtmauer – und da besonders in der Nähe des Münstertors – gab es ebenso wie im Bereich Thiemauer, Butterstraße, Katthagen und teilweise auf dem Kirchplatz zahlreiche Mauerhäuser. Die beiden bekanntesten, noch vorhandenen Häuser dieser Art in Rheine findet man an der Münstermauer Nr. 25 und 27. Das Erdgeschoss wird rückwärtig von der Stadtmauer aus Kalkbruchstein begrenzt oder als Fundament genutzt.

Der Name Münstermauer – ursprünglich der sogenann Rennweg hinter der Stadtmauer – erinnert laut Heimatforscher Franz Kolck an die alte Festung bzw. dessen Münsterporte, welche den südlichen Ausgang in Richtung der Bischofsstadt Münster bildete. 

Die Mauerhäuser bildeten mit dem Rennweg – beginnend am östlichen Ende mit dem „Barönchen“ – sowie der Bönekers-kapelle und dem Staelschen Adelshof am westlichen Ende im 17./18. Jahrhundert einen Altstadtkern der besonderen Art, der vor allem durch seine kleinteilige Enge bestach. Der Historiker Fred Kaspar beschreibt nach Recherchen zu Fachwerkbauten des 14.-16. Jahrhunderts in Westfalen auch einige Häuser in Rheine, darunter die  Hausnummer 27, dessen erste Existenz er auf etwa 1550 datiert. Später in 1788 ist es abgebrochen und neu aufgebaut worden.

Die Besonderheiten des Hauses Münstermauer 27 im Überblick:

  • Baugeschichtliche Besonderheit als eines der wenigen Exemplare typischer Traufen- bzw. Mauerhäuser mit spätmittelalterlichen Balken und Mauerwerk
  • Reste der alten Stadtmauer (um das Jahr 1500) als Fundament im Kellergeschoss
  • Große Bedeutung für Rheines Stadtentwicklung, weil es Stadtmusikantenhaus (17. Jahrhundert), Wohnsitz von Weihbischof D’Alhaus (18. Jahrhundert) und danach allein im Besitz der Familie Brüning gewesen ist (19. bis 21. Jahrhundert)
  • International einzigartige Viehtreppe, über die Ziegen und Schafe der Kleinbürger geradewegs durch Haustür und Wohnräume zur tiefer gelegenen Böschung am Stadtgraben getrieben wurden.
  • Beispiel für das Wohnen einer Kleinstadtbevölkerung wie vor mehr als 100 Jahren

Viehwirtschaft im Kleinbürgertum

Ziegen und Schafe waren im 19. Jahrhundert die Kühe des kleinen Mannes. Deshalb betrieben viele Kleinbürger und Handwerker eine derartige Viehwirtschaft, weshalb sie eine Ziegelsteinrampe in ihr Haus wie auch in der Münstermauer 27 einbauten. Darüber wurde das Vieh nach dem Weiden tagsüber vor der Stadt am Abend durch die Haustür und die Wohnräume geradewegs zu dem tiefer gelegenen Stadtgraben bzw. in die Stallungen getrieben, um es vor Diebstahl und wilden Tieren zu schützen.

Entdecken Sie die Münstermauer 27